Bayerische Vereinsbank (1869—1997)

Die Bayerische Vereinsbank ging 1869 aus einer privaten Initiative von Münchner und Augsburger Hofbankiers, Angehörigen des Hofadels sowie bürgerlichen Geschäftsleuten hervor.

Sie schlossen sich zu einem Komitee zusammen, mit dem Ziel, eine neue Bank ins Leben zu rufen.

Das Komitee erhielt am 11. April 1869 von König Ludwig II. von Bayern die Konzession, eine Bank in Form einer Aktiengesellschaft zu gründen.

Bankgründung

Wenige Tage danach schließt das Gründungskomitee mit seinem Mitglied Christoph Robert von Froelich einen Vertrag, in dem Froelich sein Bankhaus mitsamt Personal, Anwesen in der Prannerstraße 5 in München und mit dem ganzen Kundenstamm der Bayerischen Vereinsbank verkauft. Am 1. Juli 1869 eröffnet die neue Bank dort den Geschäftsbetrieb.
Gemäß ihrer Satzung betrieb die Bayerische Vereinsbank von Beginn an sowohl das Kredit- als auch das Hypothekenbankgeschäft. Sie war somit ein „gemischtes Institut” und der vorwiegend agrarischen Struktur Bayerns angepasst. Zudem übernimmt sie – auch von Froehlich – die Vermittlung von Versicherungen und führt die Generalagentur der Münchner und Aachener Feuerversicherungsgesellschaft bis 1905 weiter.
Die Bayerische Vereinsbank erlebt in den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg einen kontinuierlichen Aufstieg. Das Schwergewicht der Geschäftstätigkeit liegt auf dem Gebiet des Hypothekarkredits. Ihre Bankabteilung bietet die in der Zeit üblichen Dienstleistungen wie Scheck- und Überweisungsverkehr, Depotverwaltung, An- und Verkauf von Effekten sowie die Vergabe von kurzfristigen Krediten.

Der wachsende Geschäftsumfang erfordert mehr Platz. Die Bank kauft 1870 das der Familie Maffei gehörende sog. Castellhaus Ecke Promenadestraße / Fingergasse in München (heute Kardinal-Faulhaber-Straße 14 / Ecke Maffeistraße).

1884 wird der Berliner Architekt Wilhelm Martens mit der Planung beauftragt. Albert Schmid leitet die Bauausführung. Der Neubau wird am 18. Oktober 1886 bezogen.
Um die Jahrhundertwende beginnt die Bayerische Vereinsbank, Filialen in Bayern zu gründen. Sehr oft werden kleine Privatbankhäuser übernommen und als Filialen weitergeführt. Zwischen 1905 und 1918 zählt man nicht weniger als 35 übernommene private Bankhäuser, Volksbanken und kleine Aktienvereine.

Expansion und Konzentration in der Weimarer Republik

1920/21 erfolgt die erste große bayerische Bankenfusion. Die Bayerische Handelsbank und die Vereinsbank in Nürnberg – beide ebenfalls gemischte Hypothekenbanken – übertragen die Bankgeschäfte auf die Bayerische Vereinsbank. Zahlreiche ihrer Filialen in Bayern werden zu Filialen der Bayerischen Vereinsbank.
1922 schließt die Bayerische Vereinsbank einen Freundschaftsvertrag mit dem Berliner Bankhaus Mendelssohn & Co. Beide Partner versprechen sich dadurch eine Erweiterung ihrer Geschäftsmöglichkeiten.
Nach der Inflation 1923 ist die Bayerische Vereinsbank – wie alle anderen Banken – zu Rationalisierungsmaßnahmen gezwungen. Sie muss die Zahl ihrer Filialen von 143 auf 54 reduzieren und auch ihr Personal drastisch verringern.

Die Geldentwertung in der Hochinflation vernichtet den Darlehensbestand. Erst zehn Jahre später, 1931, ist wieder ein Neubestand von 429,0 Mio. RM erreicht.

Das Dritte Reich

Die NSDAP versucht, Einfluss auf die Bayerische Vereinsbank zu gewinnen und zwar u. a. duch Beteiligung am Aktienkapital. Der Großaktionär, das Bankhaus Mendelssohn, befand sich von 1935 bis 1938 in der Liquidation. Letztendlich wurden der Kundenstamm und die Mitarbeiter von der Deutschen Bank übernommen. Das Aktienpaket an Vereinsbankaktien übernimmt der Bankier von Finck, der es umgehend bei der Allianz, der Münchner Rück, den Isar-Amperwerken und dem Löwenbräu platziert. Ein weiterer Großaktionär, die Gutehoffnungshütte, muss 1938 sein BV-Aktienpaket der Bayerischen Gemeindebank als Treuhänderin der Partei verkaufen. Das Ziel der Partei, die Bayerische Vereinsbank zu zerschlagen, gelingt jedoch – u. a. wegen dem Ausbruch des Krieges – nicht.

Bis 1938 gibt es im Vorstand der Bank noch ein jüdisches Mitglied, Friedrich Pasternak, der dann ausscheidet und nach England emigriert. Nach dem Krieg blieb er als Beiratsmitglied der Bayerischen Vereinsbank noch lange verbunden.

Die Geschäfte der Bank erfahren während des Zweiten Weltkrieges eine große Veränderung. Nicht mehr das Hypothekenbankgeschäft steht im Vordergrund, sondern das Bankgeschäft. Die Spareinlagen steigen bei der Bayerischen Vereinsbank wie bei allen Banken. Der private Konsum stagniert. Aufgrund staatlich verordneter Rationalisierung muss die Bayerische Vereinsbank ab 1939 eine Reihe von Filialen schließen.

In den Luftangriffen der letzten zwei Kriegsjahre werden u. a. Bankgebäude in München, Nürnberg und Berlin zerstört oder schwer beschädigt. In Ausweichquartieren, wie hier im Notquartier der Nürnberger Filiale (Lorzenzer Platz 21), wird der Bankbetrieb aufrecht erhalten.

Wiederaufbau in Bayern und Internationalisierung

Die Bayerische Vereinsbank geht aus der Währungsreform 1948 mit einer DM-Eröffnungsbilanz von DM 173 Mio. hervor, die RM-Schlussbilanz hatte 2 Mrd. RM betragen.

Das Wiedererstarken der Hypothekenabteilung ist maßgeblich vom Wohnungsbau bestimmt. Beseitigung der Kriegszerstörungen, Bevölkerungszuwachs durch Vertriebene und schließlich zunehmender Wohlstand erfordern in Bayern Hypotheken- und Kommunaldarlehen.
Nach der Währungsreform erfolgt auch der Aufbau des Auslandsgeschäfts. Die hohe Exportquote wichtiger bayerischer Industriezweige veranlasst die Bank, schon seit den späten 1950er Jahren Repräsentanzen im Nahen und Mittleren Osten sowie im westeuropäischen Ausland zu eröffnen.

Die erste ausländische Repräsentanz der Bayerischen Vereinsbank wird 1958 in Beirut (Libanon) eröffnet.

Eine bayerische Bank wird deutsch

Um in außerbayerischen Regionen Fuß zu fassen, erwirbt die Bayerische Vereinsbank Bankbeteiligungen. 1955 hält sie eine Beteiligung von mehr als 25 %, an der Vereinsbank in Hamburg. 1957 erlaubt der Bundestag die Niederlassungsfreiheit für Banken. Zunächst erweitert die BV Ihre Zweigstellen in Bayern. Hinzu kommt, dass in den sechziger Jahren die bargeldlose Lohn-, Gehalts- und Rentenzahlung üblich wird. Jeder braucht jetzt ein Girokonto. Dadurch wird die Pflege des Filialgeschäfts nun ein wichtiges Standbein des Bankgeschäfts. Die BV beginnt nun deutschlandweit eigene Filialen zu gründen.

Die erste eigene Filiale außerhalb Bayerns wird in Offenbach am Main 1968 eröffnet.

Eine der bedeutendste Fusion in ihrer Geschichte ist die mit der Bayerischen Staatsbank im Jahr 1971. Durch die zweite große bayerische Bankenfusion avancierte die Bayerische Vereinsbank zu einer der größten Banken Bayerns und gewinnt deutschlandweit zunehmend an Bedeutung.

Gebäude der Bayerischen Staatsbank in der Pranner-/Kardinal-Faulhaber-Str. in München, wird Firmensitz der Bayerischen Vereinsbank.

Der Ausbau in Deutschland wird unter anderem 1982 durch die Fusion mit dem Bankhaus Röchling (Saarbrücken) und 1991 mit der Simonbank (Düsseldorf) forciert. Ab 1990 stockt die Bayerische Vereinsbank ihre bestehende Beteiligung bei der Vereins- und Westbank AG auf eine Kapitalmehrheit auf.

Der Ausbau der Bankengruppe in Europa

In den 1990er-Jahren beginnt die Bayerische Vereinsbank zunächst in den neuen Bundesländern und dann in Mittel- und Osteuropa zu expandieren.

Eröffnung BV-Filiale Frankurt an der Oder, 1990

Ein weiterer Meilenstein in der Entwicklungsgeschichte war der Zusammenschluss mit der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank AG zur Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG, kurz HypoVereinsbank. Die dritte große bayerischen Bankenfusion schuf 1998 – gemessen an der Bilanzsumme - die zweitgrößte Bank in Deutschland.

Dr. Eberhard Martini (Vorstandsvorsitzender der Hypo-Bank) und Dr. Albrecht Schmidt (Sprecher des Vorstandes der Bayerischen Vereinsbank)