Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank (1835–1997)

Die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank AG wurde 1835 in München gegründet.

Auf Anregung König Ludwigs I. von Bayern verabschiedet das Parlament am 1. Juli 1834 ein Gesetz „betr. die Errichtung einer Hypotheken- und Wechselbank“ als private Aktiengesellschaft. Am 18. Juni 1835 genehmigt König Ludwig I. von Bayern die Statuten.

Bankgründung

Die Bank als Aktiengesellschaft zu errichten ist bedeutsam für das gesamte deutsche Bankwesen. Zum ersten Mal verwaltet eine Aktiengesellschaft ein für diese Zeit riesiges Aktienkapital, nämlich 20 Millionen Gulden.

Die Hypo-Bank – wie sie im Volksmund genannt wurde – ist von Beginn an ein „gemischtes Institut“. Die Statuten erlauben der neuen Bank sowohl das Hypothekenbankgeschäft wie das klassische Bankgeschäft. Zudem hat die Bank die Lizenz, Banknoten zu emittieren und darf eine Versicherungsabteilung gründen. Allerdings wird das Geschäft von staatlicher Seite eingeschränkt, denn die Geschäftstätigkeit ist zunächst auf die Höhe des Grundkapitals begrenzt.

Am 15. Oktober 1835 startet die „Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank“ im Preysing-Palais in der Residenzstraße 27, gegenüber der Residenz in München mit 11 Angestellten.
Freiherr Simon von Eichthal wird der erste Direktor der Bank. Er leitet die Hypo-Bank zunächst ehrenamtlich. Der wachsende Geschäftsumfang erfordert 1850 eine Statutenänderung, die eine professionelle Leitung vorsieht.

Von Anfang an entwickelt sich die Bank schnell. Die Nachfrage nach Hypotheken- darlehen ist jedoch so groß, dass 1862 bereits das bewilligte Grundkapital in Hypotheken angelegt ist.
Dieses Problem wird gelöst durch die Einführung des Pfandbriefs im Jahr 1864.
Das Pfandbriefgeschäft findet in der Form, in der es in Bayern eingeführt wird, bald zahlreiche Nachahmer im In- und Ausland.

Pfandbrief der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank AG, 1880

Von München ins Königreich Bayern

Zwei Jahre nach Gründung wird am 1. Juli 1837 die erste Filiale in Augsburg eröffnet. Die Augsburger Kaufleute erhalten damit einen Ausgleich dafür, dass als Hauptsitz der Bank München bestimmt. 1857 wird eine Filiale in Lindau eröffnet und 1861 folgt Kempten. Diese drei Filialen bestehen bis 1875 und werden dann auf die neugegründete Bayerische Notenbank AG übertragen. Die Bank bietet ihr Produkte jetzt über Versicherungsagenturen an und errichtet erst 1898 wieder eine eigene Filiale und zwar in Landshut. Es folgen Depositenkassen in Pasing und im Münchner Schlachthof. Diese übernimmt den Zahlungsverkehr am Markt.

1912 geht die Bank auch mit einer Zweigstelle in die neu errichtete Großmarkthalle in München. Im Interesse der Verbreiterung ihrer geschäftlichen Basis beteiligt sie sich auch an einer Reihe von Banken, die sich speziell mit dem Viehmarkt-, Fleisch- und Lebensmittelgeschäft befassen.

Eine bayerische Bank im Deutschen Reich

Nach der Reichsgründung 1871 nimmt die Bevölkerung rasch zu und die Städte wachsen rapide. Es steigt nun auch von städtischer Seite die Nachfrage nach Hypothekarkrediten. 1896 dehnt die Hypo-Bank das Hypothekenbankgeschäft auf das ganze Reichsgebiet aus. Fortan werden in Königsberg (Ostpreußen), Berlin oder Düsseldorf Hypothekendarlehen aus Bayern vergeben. Die Bank entwickelt sich zur bedeutendsten Hypothekenbank im Deutschen Reich. Am Vorabend des Ersten Weltkriegs 1914 überschreitet der Pfandbriefumlauf der Bank die Milliardengrenze. 1916 ist ein Bestand von 1,17 Mrd. Mark in 75.000 Posten vorhanden. Zum Vergleich: die nächstgrößere Hypothekenbank, die Preußische Central-Bodenkredit A.G. in Berlin, hat einen Hypothekenstock von 812 Mio. bei 19.000 Posten.

Seit den 1870er Jahren beginnen die Konsortialgeschäfte, bei denen mehrere Banken gemeinsam ein bestimmtes Geschäft durchführen. 1880 wird die Hypo-Bank in das sog. „Preußen-Konsortium“ aufgenommen, das die Reichsanleihen emittiert.

Seit den 1880er Jahren wird die Raumnot im Preysing-Palais immer drängender. Die Bank erwirbt nach und nach Grundstücke an der Theatiner- und Promenadestraße (heute Kardinal-Faulhaber-Straße) in München und lässt in den Jahren 1895-98 durch den Berliner Architekten Emil Schmidt einen Neubau errichten.
Letzte ausgegebene Banknote, 1875 (Quelle: HVB Stiftung Geldscheinsammlung)

Aufgrund der Zugehörigkeit zum Deutschen Reich verliert Bayern die Befugnis, sein Geldwesen selbstständig zu ordnen. Das Bankgesetz vom 14. März 1875 begrenzt den Wirkungskreis der Notenbanken. Die gesetzlichen Bestimmungen sind so einengend, dass die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank es vorzieht, ihr Notenemissionsrecht aufzugeben und sich dafür an der Gründung einer Bayerischen Notenbank zu beteiligen.

Zwischen Stabilisierung der Währung und Bankenkrise

Der Kriegsausbruch im August 1914 leitet einen Wandel im Bankgeschäft ein. Die Pflege des Einlagengeschäfts wird wichtiger. Dies geht Hand in Hand mit der Konzentration im Bankwesen, der Übernahme von Provinzbankfirmen und der Neuöffnung von Zweigniederlassungen. Bis 1923 eröffnet die Hypo-Bank insgesamt 117 Filialen. Darunter sind 36 kleinere übernommene Privatbankfirmen, die in der Regel als Filialen weitergeführt werden.

In den Jahren nach der Inflation muss der Personalstand deutlich verringert werden.
Besonders vorsichtig ist die Bank bei Auslandsanleihen. Das zahlt sich aus, als 1931 eine Bankenkrise ausbricht. Die Hypo-Bank braucht weder Kapital- noch Liquiditätshilfe in Anspruch zu nehmen.

Das Dritte Reich

Nach 1933 greifen die Nationalsozialisten mit einer Reihe von Gesetzen in das Bankwesen ein. Die Hypo-Bank steht unter besonderer Beobachtung der NSDAP, weil sie seit der Gründungszeit eine große jüdische Kundschaft hat. Vom nationalsozialistischen Hetzblatt „Der Stürmer“ wird sie seit 1933 als judenfreundlich beschimpft und muss sich von der Partei wiederholt mangelnde Beziehung zu politischen Instanzen vorwerfen lassen.
Ab 1939 muss die Bank – wie andere Banken auch – Zweigstellen und Agenturen durch behördliche Anordnung schließen.

Die Fliegerangriffe von April 1944 bis Februar 1945 legen das Hauptbankgebäude in München in Schutt und Asche. Auch die Filialen in Ludwigshafen, Aschaffenburg, Nürnberg, Augsburg und eine Reihe von Münchner Stadtzweigstellen erleiden Totalschaden. Der Bankbetrieb wird in Notquartieren aufrecht erhalten.

Die Nachkriegszeit

Nach dem Krieg wird die Hypo-Bank als bayerische Regionalbank nicht von den Siegermächten zerschlagen.
Der RM-Schlussbilanz der Hypo-Bank vom 20. Juni 1948 von rund 3,5 Mrd. RM steht eine DM-Eröffnungsbilanz vom 21. Juni 1948 mit einer Bilanzsumme von DM 296 Mio. gegenüber.

Grundlage für eine positive Fortführung der Bankgeschäfte ist ihr guter Ruf. Für die Hypo-Bank beginnt eine Zeit der kräftigen Expansion. Kurz nach der Währungsreform wird die Bank Gründungsmitglied der Investmentgesellschaft ADIG und übernimmt damit eine Pionierrolle im Investmentsparen.
Im Jahr 1969 gründet die bayerische Bank durch die Übernahme des Bankhauses Stuber & Co. in Stuttgart die erste Bankfiliale außerhalb des bayerisch-pfälzischen Stammgebietes.
Die Filialexpansion im Inland wird seit Anfang der 1970er Jahre ergänzt durch den Beginn des internationalen Geschäfts. Die Hypo-Bank wird Gründungsmitglied der ABECOR (Associated Banks of Europe Corporation). Gemeinschaftsrepräsentanzen werden die ersten Auslandsstützpunkte. Eigene Niederlassungen in New York, London und Hongkong folgen.

In den Jahren 1975-1981 wird das Verwaltungsgebäude HYPO-HAUS in München errichtet. München erhält mit dem HYPO-HAUS eine städtebauliche Dominante.

Nach dem Mauerfall im November 1989 beginnt die Hypo-Bank den Markt in den neuen Bundesländern zu erschließen. Sie errichtet dort Filialen und kehrt damit in ein Geschäftsgebiet zurück, in dem sie seit der Jahrhundertwende bis Kriegsende 1945 mit ihrem Hypothekengeschäft bereits einmal tätig war.

Die Fusion der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank AG mit der Bayerischen Vereinsbank AG zur Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG, kurz HypoVereinsbank, wird im Juli 1997 angekündigt. Die Hauptversammlungen der Hypo-Bank vom 19. Mai 1998 billigen den Übertrag des Vermögens und der Schulden der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank AG auf die Bayerische Vereinsbank AG. Als sog. Verschmelzungsstichtag der bis dato größten Fusion der deutschen Bankengeschichte gilt der 1. Januar 1998.