Bayerische Staatsbank (1780–1971)

Einer der ältesten Äste des Stammbaumes der UniCredit Bank AG ist die 1780 gegründete Bayerische Staatsbank.

Inspiriert von der Königlichen Bank Berlin errichtet 1780 Markgraf Karl Alexander seine eigene Hofbank: die Hochfürstlich-Brandenburg-Anspach-Bayreuthische Hofbanco.

Markgraf Karl Alexander

Bankengründung

Der Markgraf, der einen Vertrag mit England hatte, stellt Soldaten für den Krieg zwischen England und Frankreich in Nordamerika bereit und erhält dafür Hilfsgelder, sogenannte Subsidien. Neben der Verwaltung der Subsidiengelder hat die Bank die Aufgabe, das Wirtschaftsleben in Ansbach-Bayreuth zu fördern, denn sie war sowohl Handels-, Depositen-, Wechsel- als auch Kreditbank. Der erste Bankpräsident ist Wilhelm Friedrich von Benkendorf (1780-1792).

Sie nimmt am 10. Juli 1780 ihren Geschäftsbetrieb in Ansbach mit einem Betriebskapital von nur 15.000 Gulden auf.

Die preußische Periode der Bank: 1792–1806

1792 dankt der Markgraf ab und sein Cousin König Friedrich Wilhelm II. von Preußen übernimmt die Provinz Ansbach-Bayreuth. Unter der Leitung Carl August Freiherr von Hardenberg, der spätere preußische Staatskanzler, macht die Bank den Schritt aus den kleinen Verhältnissen einer markgräflichen Hofbank zu einer Bank im heutigen Sinn – die Königlich Preußische Banco in Franken. Er verlegt 1795 den Hauptsitz der Bank von Ansbach nach Fürth, belässt aber eine Zweigkasse in Ansbach.

Firmenschild der Königlich Preußischen Banco

Ansbach wird bayerisch und die Bank auch

Nach der Schlacht von Austerlitz 1805 ändert Napoleon die deutsche Landkarte. Preußen muss Ansbach an Bayern abtreten. Die Bank erhält einen neuen Namen: „Königlich Baierische Banco“. Die bayerische Regierung verlegt den Sitz der Bank in das jetzt ebenfalls bayerisch gewordene Nürnberg. Bald bürgert sich der Name „Königliche Bank“ ein.

Zentrale in Nürnberg

1850 wird ihr Wirkungskreis per Gesetz erweitert. Bis dahin war sie eine Bank in königlichem Besitz, aber ohne Beziehung zu staatlichen Einrichtungen. Jetzt erhält sie die Einlagen der staatlichen Gerichts- und anderer Behörden in Bayern zur Verwaltung zugewiesen.

Aufgrund der „bayerischen Bankengeometrie“ eröffnet die Königliche Bank bis 1870 nur Zweigniederlassungen im nordbayerischen Raum. In Bayern gilt ein stillschweigendes Übereinkommen über die Aufteilung der Märkte. Nordbayern und die Pfalz gehören zum Zuständigkeitsbereich der Königlichen Bank, Südbayern ist der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank vorbehalten. Nach der Reichsgründung 1871 wird diese Politik aufgegeben. 1875 eröffnet die Königliche Bank erste Niederlassungen in München und Augsburg.

München wird zu einem der erfolgreichsten Filialstandorte. Ab 1893 baut der Architekt Albert Schmid für die Königliche Bank ein neues Filialgebäude in der Münchener Promenadenstraße (heutige Kardinal-Faulhaber-Straße).

Zunehmend wächst die Bank in die Rolle der Bank des bayerischen Staates hinein. Der Königlichen Bank wird der Überweisungsverkehr der Staatskassen untereinander übertragen. Dazu gehören Heereskassen, Post, Bahn, Steuer-, Zoll-, Justizverwaltung und Innenministerium sowie staatliche Brandversicherung.

Der Erste Weltkrieg

Die Kriegszeit bedeutet für die Königliche Bank eine Zeit vermehrter Tätigkeit. Die neue, große Aufgabe ist, den Geldbedarf der Gemeinden bei der Durchführung der Kriegsaufgaben zu befriedigen. Die Gemeinden müssen die Angehörigen der Soldaten unterstützen. Sie beschaffen und verteilen die Lebensmittel für die Bevölkerung.

Weitere große Aufgaben der Bank sind, Kriegsanleihen zu verkaufen und den bargeldlosen Zahlungsverkehr wie den Postkartenscheck zu fördern. (Quelle: Bayerisches Wirtschaftsarchiv, F47)

Aus der Königlichen Bank wird die Bayerische Staatsbank

Sigelmarke (Quelle: Bayerisches Wirtschaftsarchiv, F47)

1918, mit dem Ende der Monarchie in Bayern, folgt die Umbenennung in „Bayerische Staatsbank“. Die Verordnung vom 24. März 1920 stellt die Bayerische Staatsbank auf eine neue gesetzliche Grundlage und die bayerische Regierung verlegt den Hauptsitz der Bank 1920 von Nürnberg nach München. Das Grundkapital wird neu festgesetzt auf 80 Millionen Mark.

Auch die Aufgaben ändern sich: Bahn, Post Heeres- und Steuerverwaltung gehen an das Deutsche Reich über und scheiden als Kunden aus. Dafür ergeben sich neue Herausforderungen: die Finanzierung der staatlichen Wasserkraftwerke.

Mit dem Anschluss des ehemaligen Herzogtums Coburg an Bayern am 1. Juli 1920 wird auch die dortige Staatsbank, die Herzoglich Sächsische Landrentenbank in Coburg, mit der Bayerischen Staatsbank fusioniert. Die Staatsbank übernimmt außerdem die Creditkasse des Spar- und Hülfevereins Coburg. Beide Institute bilden den Grundstock für die Niederlassung der Staatsbank in Coburg.

Notgeld der Bayerischen Staatsbank (Quelle: HVB Stiftung Geldscheinsammlung)

1923 bringt die fortschreitende Geldentwertung eine gewaltige zusätzliche Arbeitsbelastung. Die Zahlungsmittel werden knapp. Fast jede Behörde und jedes mittlere und größere Unternehmen druckt Geld, das Notgeld. Auch die Bayerische Staatsbank emittiert zahlreiche Ausgaben.

Als es wieder eine feste Währung gibt, erhält die Bayerische Staatsbank neue Aufgaben. Sie bietet „Staatsbankkredite“ sowie den Umschuldungskredite für die Landwirtschaft und den Kredite für Gemeinden.
Die Weltwirtschaftskrise 1929 übersteht sie ohne größeren Schaden. Aus der Bankenkrise 1931 geht sie ebenfalls intakt hervor, d. h. sie kann ihr Eigenkapital unversehrt erhalten.

Die Staatsbank ohne Staat im Dritten Reich

Die Bayerische Staatsbank wird ab 1933 eine "Staatsbank ohne Staat", denn die Nationalsozialisten beseitigen die Eigenstaatlichkeit der Länder. Sie lassen öffentliche Gelder von Behörden bei der Reichsbank in Berlin verwalten. Die Bayerische Staatsbank wird dem Aufsichtsamt für das Kreditwesen in Berlin unterstellt. Im Zug der Vereinheitlichung des deutschen Kreditwesens werden Ende 1935 die noch bestehenden Privatnotenbanken in Deutschland abgeschafft. Die Bayerische Notenbank wird durch die Bayerische Staatsbank übernommen. Die Staatsbank erhält dadurch zahlreiche neue Filialstandorte.

1933 arbeiten 1.113 Beamte und 188 Angestellte in der Bank. Das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 hat die Entfernung der Juden aus dem Staatsdienst zum Ziel. Damit ist die Beschäftigung jüdischer Beamter in der Staatsbank unmöglich geworden.

Die Hauptaufgaben der Bank während des Zweiten Weltkrieges liegen nun mehr im Bereich des landwirtschaftlichen Kredits, der Verwaltung der staatlichen Darlehen für den Wohnungsbau und der Diskontierung von Handelswechsel.

Wiederaufbau und Fusion

Die Staatsbankfilialen in Aschaffenburg, Augsburg, Ingolstadt und Kaiserslautern sind nach dem Krieg schwer beschädigt, in Nürnberg total zerstört. Die Hauptniederlassung in München ist zerstört. Trotzdem nimmt die Bank ihre Tätigkeit nach dem Krieg wieder auf.
Die Eigenmittel der Bank sind durch die Währungsreform 1948 zusammengeschmolzen und müssen neu aufgebaut werden.

Das „Gesetz über die Bayerische Staatsbank“ vom 25. Oktober 1950 bildet die rechtliche Grundlage für das Geschäft.

Die Staatsbank ermöglicht dem bayerischen Staat die Zahlung der Gehälter und Löhne, finanziert Aufräumarbeiten und stellt die Mittel für die ersten Hopfenexporte nach dem Krieg bereit. Die Kassengeschäfte des Staates teilt sie sich jetzt mit der Landeszentralbank. Auch ist sie maßgeblich an allen großen staatlichen Wirtschaftsprogrammen beteiligt.
Die Tätigkeit der Bayerischen Staatsbank für die Wirtschaft umfasst alle bankmäßigen Geschäfte. Sie nimmt Einlagen herein, pflegt das Spargeschäft, gibt Privatleuten Kredite, betreibt den Wechselankauf, den Kontokorrentverkehr, den An- und Verkauf von Wertpapieren, das Emissionsgeschäft, das Depot- und Außenhandelsgeschäft.

Seit den 1960er Jahren wird in der Öffentlichkeit zunehmend diskutiert, ob der Status der Bank als öffentlich-rechtliche Depositen- und Kreditbank mit Staatshaftung noch zeitgemäß sei. Schließlich wird eine Fusion ins Auge gefasst. Als vorbereitenden Schritt für eine Fusion beschließt der Ministerrat des Freistaates Bayern die Umwandlung der Bayerischen Staatsbank in eine Aktiengesellschaft am 23. Juli 1970. Am 8. März 1971 fusioniert die Bayerische Staatsbank mit der Bayerischen Vereinsbank.

Dr. Werner Premauer (Sprecher des Vorstandes der Bayerischen Vereinsbank) und Dr. h. c. Rudolf Eberhard (Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Staatsbank)