Vereins- und Westbank (1974–2005)

Die Vereins- und Westbank kann auf eine lange norddeutsche Tradition, die 1856 in Hamburg beginnt, zurückblicken.

Die Vereins- und Westbank entsteht 1974 aus dem Zusammenschluss der Vereinsbank in Hamburg und der Westbank. Die Vorgängerinstitute sind mit einer Idee in unterschiedlichen Regionen aktiv: die Förderung der örtlichen Wirtschaft.

Vereinsbank in Hamburg

Bankgründung
Der älteste Ast in Norddeutschland ist die Vereinsbank in Hamburg. Sie wird am 11. August 1856 in das Hamburger Handelsregister eingetragen. Gegründet von namenhaften Kaufleuten hat sie das Ziel die hanseatische Wirtschaft zu unterstützen. Denn die steigende Nachfrage nach Krediten infolge der fortschreitenden Industrialisierung benötigt kapitalkräftige Banken. Das Gründungskapital der Aktiengesellschaft von 20 Millionen Mark wird zu Börsenstart 18mal überzeichnet.

Gründer und Direktoren der Vereinsbank in Hamburg

Ihr erstes Geschäftslokal hat die Bank am Alten Wall 64. Bald erfordern die schnell wachsenden Geschäfte die Erweiterung der Geschäftsräume. Ein paar Jahre später erwirbt die Bank die Grundstücke Alter Wall 20-30, in die man Ende 1902 umzieht.

Erstes Domizil der Vereinsbank in Hamburg Am Alten Wall 64

Gemäß Ihrer Satzung betreibt die Vereinsbank in Hamburg das klassische Bankgeschäft wie Scheck- und Überweisungsverkehr, Depotverwaltung, An- und Verkauf von Effekten sowie kurzfristige Kredite. Im Zentrum der Geschäftsaktivität stehen Auslandsfinanzierung und Industriekredite für Schiffbau und Handel.

Kampf um die Selbstständigkeit
Bis zum Ersten Weltkrieg erlebt die Vereinsbank in Hamburg einen kontinuierlichen Aufstieg und expandiert im norddeutschen Raum. Die Bank betreibt im Jahr 1913 Filialen in Altona, Cuxhaven, Flensburg und Hannover, und ein Tochterinstitut in Kiel – die Vereinsbank in Kiel.

Geschäftsbericht der „Vereinsbank in Kiel“, 1917

Der Erste Weltkrieg trifft die vom Außenhandel abhängige Vereinsbank in Hamburg heftig. Die sich anschließende Wirtschaftskrise und Inflation bedroht die Eigenständigkeit der Bank. Um diese zu wahren, kooperiert sie seit 1917 eng mit der Disconto-Gesellschaft Berlin. Eine Kapitalerhöhung im Jahr 1926 und ein Schutzkonsortium können Übernahmeangebote und eine Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft abwenden. Die Vereinsbank bleibt als AG selbstständig.

Das Dritte Reich
Die Vereinsbank in Hamburg wahrt auch während des Dritten Reichs ihre Unabhängigkeit. Sie muss Einbußen im internationalen Geschäft verkraften und darf keine neuen Filialen errichten. Wie bei allen anderen Banken steigen die Spareinlagen. Der private Konsum stagniert. Im Zuge des Krieges verliert die Bank viele Mitarbeiter und etliche ihrer Geschäftsstellen, die Zentrale ist durch Bomben zerstört.

Wiederaufbau in Hamburg und Internationalisierung
Die Vereinsbank in Hamburg geht aus der Währungsreform 1948 mit einer DM-Eröffnungsbilanz von 51 Millionen DM hervor, die RM-Schlussbilanz hat 429 Millionen RM betragen.

Die Firmenzentrale der Vereinsbank in Hamburg am Alten Wall 2-36 wird wieder aufgebaut.

Schon bald erholt sich das Wirtschaftsleben, Hamburg wird wieder zum maßgebenen Im- und Exportplatz. Mitte der 1950-er Jahre sind alle Zweigstellen wieder arbeitsfähig. Die Vereinsbank in Hamburg kooperiert mit der Bayerischen Vereinsbank, die 1955 sich mit über 25 % an der Vereinsbank in Hamburg beteiligt.
Die 1960-er Jahre stehen im Zeichen des wachsenden Mengenkundengeschäftes. Bargeldlose Lohn-, Gehalts- und Rentenzahlung werden üblich. Mit Beginn der 1970-er Jahre internationalisiert sich das Geschäft zunehmend. Über eine Tochter in Luxemburg und durch Abkommen mit europäischen Banken ist die Bank Teil des internationalen Bankgeschäftes und unterhielt Repräsentanzen im Nahen Osten und den USA.

Westbank

Bankgründungen
Die Wurzeln der Westbank liegen in Schleswig-Holstein. Hier gründet Gustav Adolph Thomsen 1875 die Tönninger Darlehnsbank, die wenig später in Husum unter dem Namen Schleswig-Holsteinische Bank den Viehexport der Landwirte mittels „Gräserkredite“ finanziert.

Gustav Adolph Thomsen (1833-1915)

Auch die Gründung der Westholsteinischen Bank in Heide (1896) und der Schleibank in Kappeln (1897) geht auf Thomsen zurück. Alle drei Banken sind über die Jahre eng geschäftlich verbunden und begleiten intensiv die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein. Sie bieten auch die in der Zeit üblichen Bankdienstleistungen wie Scheck- und Überweisungsverkehr, Depotverwaltung und Kreditgewährung.

Das frühe 20. Jahrhundert
Den Einschnitten des Ersten Weltkriegs und der Inflation halten die Vorgängerinstitute der Westbank stand, weil sie durch Übernahmen kleinerer Bankhäuser in der Fläche expandieren. Die Schleswig-Holsteinische Bank übernimmt etwa die Vereinsbank in Schleswig und die Flensburger Privatbank. Bis 1920 hat sich die Bilanzsumme von 13 auf 368 Millionen Mark ausgeweitet. Auch die Westholsteinische Bank fusioniert mit vielen kleinen Bankhäusern, und eröffnet Filialen in Altona und Harburg.

Hauptgebäude der Schleswig-Holsteinischen Bank in Husum

Dieser Konzentrationsprozess im schleswig-holsteinischen Bankenraum ist auch eine Reaktion auf den nun einsetzenden industriellen Strukturwandel, den die Banken mit Kredite an Brennereien, Brauereien, Müllereien und Papierfabriken fördern.

Filialkarte Schleswig-Holsteinische Bank, 1920er Jahre

Lokal stark verwurzelt und international nicht so engagiert, trift die Bankenkrise 1931 die Schleswig-Hoslsteinische Bank kaum. Einschneidet für sie wird die Entwicklung in der NS-Zeit.

Das Dritte Reich

1943 erzwingt das NS-Regime per Telegramm die Fusion der Schleibank, der Schleswig-Holsteinischen Bank und der Westholsteinischen Bank zur Schleswig-Holsteinischen Westbank, die sich ab 1968 nur noch Westbank nennt.

In der Folge werden 55 Niederlassungen zusammengelegt und Zweigstellen in 36 Gemeinden geschlossen. 136 zwangsweise freigestellte Bankmitarbeiter zieht die Wehrmacht zum Kriegsdienst ein.

Norddeutsche Regionalbank
Nach dem Kriegsende bestätigt die Westbank ihre Position als Regionalbank. Sie baut ihre Präsenz in Schleswig-Holstein und im norddeutschen Raum weiter aus. Die Spareinlagen verzehnfachen sich zwischen 1952 und 1962, während die Bilanzsumme im selben Zeitraum um das sechsfache wächst.

Vereins- und Westbank

Am 1. Juli 1974 bündeln die Vereinsbank in Hamburg und die Westbank ihre Stärken in der fusionierten Vereins- und Westbank.

Vereins- und Westbank-Filiale Flensburg in der Mathildenstraße

Die Westbank bringt ihre über 200 Geschäftsstellen und ein einlagenstarkes Filialkundengeschäft mit. Die Vereinsbank in Hamburg steuert ein internationales Bankgeschäft mit vielfältigen Auslandskontakten bei.

Expansion und Internationalisierung
Die Vereins- und Westbank wächst zunächst in Norddeutschland und übernimmt kleinere Bankhäuser in Schleswig-Holstein und Niedersachsen – etwa in Hannover das Bankhaus Nicolai & Co.
Anfang der 1980-er Jahre expandiert die Vereins- und Westbank in die USA und Skandinavien und eröffnet dort Repräsentanzen. Nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ unterhält sie enge Beziehung ins Baltikum, etwa über ihre Repräsentanz in Riga. Unterstützt wird sie dabei durch die Bayerische Vereinsbank, die ab 1990 die Mehrheit an der Vereins- und Westbank hält.

Vereins- und Westbank-Filiale in Riga (Lettland)

Im März 2004 erhöht die HypoVereinsbank als Nachfolger der Bayerischen Vereinsbank ihren Mehrheitsanteil an der Bank auf 95 %. Die Hauptversammlung der Vereins- und Westbank beschließt daraufhin im selben Jahr die Integration in der HypoVereinsbank. Durch Eintrag ins Handelsregister am 14. Januar 2005 wird die Verschmelzung wirksam.